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Erstmalige interkommunale Führungskräfteausbildung zweier Feuerwehren im Landkreis Gießen

"Soziale Kompetenzen kamen bislang viel zu kurz“ / Alternativloses Ausbildungskonzept

Es ging in Teilen so richtig ans Eingemachte, was die 24 ehrenamtlichen Fach- und Führungskräfte der Freiwilligen Feuerwehren Lollar und Staufenberg am vergangenen Wochenende erleben durften. Dieses Mal aber nicht bei einem schweren Feuerwehreinsatz – zumindest nicht bei einem klassischen: In einem dreitägigen Workshop wurde der Grundstein für die zukünftige Vermittlung von sozialen und kommunikativen Fähigkeiten jener Menschen in den Feuerwehren gelegt, die eben nicht nur mit Rüstzeug für den nächsten Feuerwehreinsatz ausgestattet sein sollen, sondern an 365 Tagen im Jahr das soziale Miteinander der Frauen und Männer in einer Freiwilligen Feuerwehr gestalten und regeln müssen. Und das in solchen Systemen wie einer Freiwilligen Feuerwehr, wo viele Menschen und viele Interessen zusammenkommen, nicht immer eitel Sonnenschein herrscht, dürfte jedem klar sein. Genau damit befasste sich der Workshop: Kommunikation, Konfliktlösung, Motivation, Führungsstile und Führerpersönlichkeit, Qualität in der Feuerwehr, Anerkennungskultur oder Erkennung von und Umgang mit Stress. Organisiert haben diesen Workshop, der in einem Tagungshotel in der Wetterau stattfand, die beiden Feuerwehrchefs Michael Klier (Staufenberg) und Marco Kirchner (Lollar). Die Lehrinhalte wurden organisiert und durchgeführt von der Gießener FeuerwehrAgentur, die ihren Chef Martin Lutz als Dozent entsendete. Mit dabei war ebenfalls als Dozent Polizeidirektor a.D. Adolf Schürg. Unterstützung kam auch aus dem Rathaus: Staufenbergs Bürgemreister Gefeller unterstützt insbesondere Maßnahmen zur Entlastung der ehrenamtlichen Führungskräfte, findet diese Bildungsmöglichkeiten sehr gut. 

 Der inhaltliche Grundstein für dieses Seminar lag in der Zukunftswerkstatt der Leiter der Feuerwehren, die im Oktober 2010 in Berlin stattfand. Hier hatten auf Einladung des Staatssekretärs Dr. Helge Braun unter anderem der Kommunikationsexperte Martin Lutz mit den Feuerwehrchefs aus den Landkreiskommunen Erfordernisse für die intellektuelle Ausstattung von zukünftigen Feuerwehrführungskräften herausgearbeitet. Währen die operativ-administrative Ausbildung von Feuerwehrführungskräften im Lande Hessen sehr gut und sehr stringent ist, wurde damals offenkundig, dass es genau dieser Mangel an sozialen Kompetenzen ist, der den Feuerwehrverantwortlichen zum Teil fehlt und der die Feuerwehrarbeit so anstrengend macht. Ein weiteres Ergebnis war, dass das, was an den Kräften und Nerven der Feuerwehrführungskräften zehrt, eben nicht der von außen sichtbare Einsatz ist, sondern die tagtägliche Gestaltung sozialen Lebens und Lernens innerhalb der Feuerwehr. Genau an dieser Stelle wollten die Feuerwehrchefs Klier und Kirchner als erste im Landkreis Gießen strategisch ansetzen: „Wir schulden unseren Führungskräften nicht nur eine Grundausstattung in einer Art sozial-kommunikativem Werkzeugkasten, wir wollen uns mit der Stärkung der Wehrführer und Einheitsführer bewusst selber entlasten, denn die Arbeit als Leiter einer Feuerwehr ufert in den letzten Jahren völlig aus“ erklärt Klier das Anliegen. Als Partner, um das Ganze mit Leben zu füllen, fand man dann schnell die FeuerwehrAgentur, die sich auf die besonderen strategischen Bedürfnisse von Feuerwehren in den Bereichen Beratung, Öffentlichkeitsarbeit und Bildung spezialisiert hat. 

 

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Die Teilnehmer mit den beiden Dozenten Adolf-Schürg und Martin Lutz (vorne links)

So war der Workshop inhaltlich auch nicht auf die frontale Wissensvermittlung angelegt. Es ging vielmehr auch um die sofortige gedankliche Übertragung auf konkrete Situationen in der eigenen Feuerwehr durch die Teilnehmer. Neben der Sammlung von Beispielen und der Diskussion von realen Ereignissen oder Zuständen konnte unter der Moderation von FeuerwehrAgentur-Chef Lutz auch ein beabsichtigter Nebeneffekt erreicht werden: Konkrete Themen, Aufgaben oder konkrete Konflikte wurden besprochen und Lösungsvereinbahrungen wurden unter den Beteiligten getroffen. „Die sozialen Fähigkeiten in jenem Team zu erarbeiten, in denen nachher auch real miteinander umgegangen wird, ist für mich dabei wertvoller, als die Betankung einzelner mit viel theoretischem Wissen in einer fremden abstrakten Umgebung.“ erläutert Lollars ehrenamtlicher Feuerwehrchef Marco Kirchner die Entscheidung für diesen Weg.

 Ein Höhepunkt war der Vortrag von Adolf Schürg zu Führungsstilen und Führungspersönlichkeit. Am Beispiel eines in der Zeit gewandelten Menschenbildes zeigte der ehemalige Marburger Polizeidirektor und Dozent an der Polizeihochschule verschiedene Führungsstile auf und schwenkte dann thematisch auf die Führerpersönlichkeit ein. Günstige Eigenschaften und Werkzeuge von Führungskräften erläuterte Schürg dann an zahlreichen Beispielen aus seiner umfangreichen Erfahrung als Führungskraft der Polizei.

 Für die Teilnehmer – amtierende und zukünftige Führungskräfte der Feuerwehren Lollar und Staufenberg - war der Workshop eine rundum gelungenen Sache. Alle waren sich einig, dass diese Art der Fortbildung, vor allem aber des gemeinsamen Trainierens, nur der Anfang gewesen sein kann. Als „Anfang, eine große Lücke zu schließen“, „als Grundausstattung eines reflektierten Vorbild-Führers“ oder – nicht zuletzt – als „Kitt, der eine Feuerwehr zusammenhält“ wurde das, was hier gelernt und ausprobiert wurde, in einer Schlussrunde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bezeichnet.

 Für die beiden Feuerwehrchefs, die den Dozenten Adolf Schürg und Martin Lutz von der FeuerwehrAgentur dankten, war das Ganze nur ein Auftakt. „Hier wurde ein derart positiver Grundstein gelegt, dass wird jetzt weitergehen.“ so Feuerwehrchef Klier. Sowohl in der Standortausbildung für Mannschaften und Führer werden diese Themen nun kontinuierlich weiterentwickelt. Zudem wird ein gleiches Bildungsangebot für die Führungskräfte der Jugendfeuerwehren im kommenden Jahr von der FeuerwehrAgentur durchgeführt. „Was wir unserem Nachwuchs bereits erfolgreich vermitteln, müssen wir in der Einsatzabteilung nicht mehr schmerzhaft bearbeiten“ stellt Lollars Stadtbrandinspektor fest und trifft damit einen Nerv, der wohl nicht nur für die Feuerwehr Gültigkeit hat.


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